Erkner, 30. Oktober 2026: Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, z.H. Abteilungsleiter VIII MinDir. Kluttig.
Zehn Maßnahmen für einen wettbewerbsfähigen Wasserstoffhochlauf – mit verlässlichen Rahmenbedingungen für die heimische Elektrolyseindustrie und Wasserstoffwirtschaft.

Sehr geehrte Damen und Herren,
der BRM+V begrüßt die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie vorgestellten Maßnahmen zur Beschleunigung des Wasserstoffhochlaufs. Die angekündigten Impulse sind ein wichtiger Schritt, um die Entwicklung eines wettbewerbsfähigen Wasserstoffmarktes in Deutschland voranzubringen. Aus Sicht des BRM+V kommt es nun darauf an, die vorgesehenen Maßnahmen durch verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen, gezielte Anreize für die heimische Wasserstofferzeugung und eine konsequente Stärkung der industriellen Wertschöpfung zu ergänzen. Mit der nachfolgenden Stellungnahme möchten wir hierzu konkrete Vorschläge einbringen und einen konstruktiven Beitrag zur Weiterentwicklung der deutschen Wasserstoffstrategie leisten.

Zusammenfassung und politische Kernforderungen
Die am 19. Oktober 2026 vorgestellten zehn Maßnahmen des BMWE sind ein wichtiger Schritt, um eine nachhaltige, wirtschaftliche und resiliente Wasserstoff-Marktwirtschaft in Deutschland voranzubringen. Insbesondere das neue Wasserstoff-Fenster im Programm für CO₂-Differenzverträge (CCfD), die geplante Unterstützung für die Umrüstung von Kraftwerken, die Stärkung der Wasserstoffinfrastruktur und die Weiterentwicklung der Technologiepolitik setzen wichtige Impulse. Das BMWE beabsichtigt mindestens 1,5 Milliarden Euro für ein Wasserstoff-Fenster zur Verfügung zu stellen, sofern ausreichendes Interesse besteht; insgesamt sind für das CCfD-Programm bis zu 8,7 Milliarden Euro vorgesehen.

Diese Maßnahmen reichen jedoch noch nicht aus, um den notwendigen industriellen Hochlauf der heimischen Wasserstofferzeugung und Elektrolyseindustrie sicherzustellen. Entscheidend ist, dass politische Ziele in verbindliche, langfristig kalkulierbare und betriebswirtschaftlich wertbare Rahmenbedingungen übersetzt werden. Deutschland braucht nicht nur eine Strategie für den Wasserstoffverbrauch und die Infrastruktur, sondern ebenso eine belastbare Strategie für die industrielle Produktion, die europäische Wertschöpfung und die Entwicklung wettbewerbsfähiger Elektrolysetechnologien inklusive deren Herstellung innerhalb der EU.
Daraus ergeben sich zehn zentrale Forderungen:

1. Heimische grüne Wasserstoffproduktion absichern: Ein eigenständiges, langfristig angelegtes H₂-CfD-Programm soll den Aufbau der ersten 10 GW heimischer Elektrolyseleistung und die Wasserstoffproduktion von jährlich 800.000 Tonnen unterstützen. Das Konzept der Elektrolyse-Industrie-Wirtschaftsallianz (EIWA) bietet hierfür eine konkrete Grundlage.

2. Kraftwerke schneller auf grünen Wasserstoff umstellen: Förderbedingungen, Umrüstungsfristen und die Entwicklung einer grünen Gasquote müssen aufeinander abgestimmt werden.

3. Leitmärkte für grünen Stahl erweitern: Die Nachfragevorgaben für emissionsarm produzierten Stahl sollen auf Onshore-Windenergieanlagen und geeignete öffentliche sowie militärische Beschaffungen ausgeweitet werden.

4. Netzentgelte für integrierte Erneuerbaren-Elektrolyse rechtssicher regeln: Für Elektrolyseure in integrierten erneuerbaren Energiekomplexen, die den öffentlichen Stromnetzzugang nicht für die betreffende Strommenge nutzen, ist eine dauerhafte, gesetzlich klare Entlastung vorzusehen.

5. Eine ambitionierte grüne Gasquote schaffen: Eine eigenständige Mindestquote für zertifizierten grünen Wasserstoff, die Prüfung einer Mehrfachanrechnung und wirksamen Pönalen sollen den Markthochlauf absichern. Ein belastbares Bilanzierungsmodell muss die Anrechnung eingespeister Mengen ohne physische Einzelzuordnung ermöglichen und Doppelzählungen ausschließen.

6. Wasserstoffspeicher und bestehende Speicherkompetenz nutzen: Die Umnutzung geeigneter Speicher für Erdgas und Wasserstoff, insbesondere die sich unter staatlicher Einflussnahme befinden, soll pragmatisch ermöglicht werden, unter Wahrung der gesetzlichen Kernaufgaben der zuständigen Institutionen.

7. Importpolitik europäisch und resilient ausrichten: Importförderung soll die europäische Energieintegration und Wertschöpfung stärken. Europäische Pipelinekorridore verdienen Vorrang, soweit sie ökologisch, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch vorteilhaft sind.

8. Keine klimapolitischen Lock-in-Effekte schaffen: Deutschland soll auf EU-Ebene eine eigenständige Kategorie für „kohlenstoffarmen elektrolytisch erzeugten Wasserstoff“ vorschlagen. Diese Kategorie muss klar von grünem Wasserstoff abgegrenzt werden und darf dessen Förderung nicht verwässern.

9. Wasserstoffspeicher und Netze bedarfsgerecht entwickeln: Der Infrastrukturaufbau soll sich an realistischen Bedarfen, Versorgungssicherheit, Systemeffizienz und der Entwicklung heimischer Erzeugung orientieren.

10. Governance und Technologieführerschaft stärken: Der Nationale Wasserstoffrat und eine verbindliche Technologie-Roadmap sollen konkrete Umsetzungsziele, überprüfbare Meilensteine und eine regelmäßige Erfolgskontrolle erhalten.

Die Leitlinie muss lauten: Deutschland braucht einen Wasserstoffhochlauf, der Klimaschutz, Versorgungssicherheit, industrielle Wettbewerbsfähigkeit, demokratische Souveränität und europäische Wertschöpfung zusammenführt.

Den weiteren Forderungskatalog entnehmen Sier bitte der pdf in der Anlage