Erkner, 19.02.2026,
EEG- und EnWG-Reform gefährdet Energiewende, Versorgungssicherheit und Industriestandort Deutschland

Die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie angekündigten Änderungen am Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) und am Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) markieren einen energie- und industriepolitischen Kurswechsel mit gravierenden Folgen für Investitionssicherheit, Versorgungssicherheit und den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Kern der geplanten Reform ist der Wegfall von Entschädigungsansprüchen für erneuerbare Energieanlagen in kapazitätslimitierten Netzgebieten. Erneuerbare Anlagen sollen künftig bei netzbedingten Abregelungen in schätzungsweise 70% des 110-kV-Netzes keinen finanziellen Ausgleich mehr erhalten. Damit wird die jahrzehntelang geltende Investitions- und Planungssicherheit faktisch aufgehoben.

Investitionssicherheit wird systematisch untergraben

Netzengpässe sind nicht das Resultat eines „übermäßigen“ Ausbaus erneuerbarer Energien, sondern Folge jahrelang verzögerter Netzinvestitionen. Wer unter diesen Bedingungen Entschädigungen streicht, verlagert staatliche Versäumnisse auf private Investoren.
Die absehbaren Folgen:
• Repowering-Projekte werden verschoben oder aufgegeben
• Neuinvestitionen in Erzeugungsanlagen und Speicher unterbleiben
• Regionale Wertschöpfung geht verloren
• Ausbauziele bis 2030 geraten außer Reichweite

Besonders betroffen sind Regionen mit hoher erneuerbarer Erzeugung, die bislang maßgeblich zur Versorgungssicherheit beigetragen haben.

Deindustrialisierung statt Standortstärkung
Während Investitionen in erneuerbare Energieprojekte im Inland durch regulatorische Unsicherheit ausgebremst werden, stellt das Ministerium gleichzeitig ca. 4,5 Milliarden für erneuerbare Wasserstoffprojekte im Ausland bereit. Wertschöpfung, technologische Skalierung und industrielle Lernkurven werden damit exportiert – zulasten des Wirtschaftsstandorts Deutschland.

Ohne verlässlichen Zugang zu wettbewerbsfähigem erneuerbarem Strom verlieren energieintensive Industrien, Zukunftsbranchen, Rechenzentren und neue Großverbraucher ihre Standortgrundlage. Die Reform beschleunigt damit eine schleichende Deindustrialisierung, statt sie zu verhindern.

Die fachlichen Alternativen liegen auf dem Tisch
Die Begründung, die Netze seien begrenzt und deshalb müsse erneuerbare Erzeugung begrenzt werden, greift zu kurz. Technische und wirtschaftliche Lösungen sind seit Jahren bekannt:

1. Speichertechnologien sind marktreif.
Kostengünstige Großbatteriespeicher (BESS) stehen serienmäßig zur Verfügung und können Überschüsse aufnehmen sowie in Dunkelflauten Strom bereitstellen. Anträge für Batteriespeicher mit 650 Gigawatt Anschlussleistung liegen vor. Selbst bei konservativer Realisierung kann ein Teil des netzbedingten abgeregelten Stroms wirtschaftlich verwertet werden.

2. Intelligente Netznutzung reduziert Engpässe.

Studien zeigen, dass die Überbauung von Netzverknüpfungspunkten mit Wind- und Solarenergie unter Einbeziehung von Speichern volkswirtschaftlich effizient ist – selbst unter Einbeziehung von Speichern. Bestehende Netzkapazitäten können deutlich besser genutzt werden.

3. Sektorenkopplung schafft systemische Stabilität.
Überschüssiger Strom kann direkt vor Ort in Wärme, Mobilität oder grünen Wasserstoff umgewandelt werden. Elektrolyseure am Netzverknüpfungspunkt entschärfen Engpässe, senken Redispatch-Kosten und schaffen industrielle Nachfrage im Inland.

Nicht die Abregelung erneuerbarer Energien ist das Problem – sondern ihre fehlende systemische Integration.

Fossile Rückschritte erhöhen Risiken und Kosten

Statt diese Lösungen konsequent umzusetzen, setzt die Bundesregierung verstärkt auf fossile Gaskraftwerke und Flüssiggasimporte. Diese Strategie ist energieökonomisch, sicherheitspolitisch und klimapolitisch riskant:
• Flüssiggas ist teuer, klimaschädlich (Ausgasungen, Umwandlungsverluste) und geopolitisch riskant
• Zentrale Gasinfrastruktur ist verwundbar gegenüber Cyberangriffen und Sabotage
• Emissionszertifikate verteuern den Betrieb weiter
• Spitzenlast-Gaskraftwerke sind gegenüber Batterien strukturell nicht wettbewerbsfähig

Eine dezentrale, erneuerbare Energieversorgung erhöht hingegen die Resilienz Deutschlands erheblich.
Versorgungssicherheit ist keine Kostenfrage – sie ist eine Sicherheitsfrage. Ohne einen Überschuss an erneuerbarem Strom gibt es keinen grünen Wasserstoff, keine industrielle Transformation, keine wettbewerbsfähige Elektrifizierung von Mobilität und Wärme und keine strategische Unabhängigkeit.

Energiewende ist wirtschaftliches Rückgrat

Rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt an den erneuerbaren Energien. Millionen Bürgerinnen und Bürger, Kommunen, Stadtwerke und mittelständische Unternehmen sind aktive Teilhaber dieser Transformation. Die Energiewende ist längst eine tragende wirtschaftliche Plattform für Innovation, Export und regionale Wertschöpfung.
Wer jetzt Investitionssicherheit abbaut, gefährdet nicht nur Klimaziele, sondern industrielle Substanz und wirtschaftliche Zukunft. Außerdem würde Deutschland seine europa- und völkerrechtlichen Verpflichtungen verletzen.

Forderung des BRM + V

Der BRM + V (Bundesverband für Regenerative Mobilität + Versorgungssicherheit) fordert:

• Die Wiederherstellung investitionssicherer Rahmenbedingungen im EEG und EnWG
• Die gesetzliche Förderung erneuerbarer Flexibilitäten (Speicher, Elektrolyse, Power-to-X)
• Die konsequente Nutzung erneuerbarer Überschüsse zur Stärkung der Industrie im Inland
• Eine energiepolitische Strategie, die Resilienz, Klimaneutralität 2045 und industrielle Wertschöpfung verbindet
• 25 % Invest in BESS bei PV und Windparks sowie Befreiung von den Folgen der negativen Stromkosten
• 25 % der Strommenge für H2-Elektrolyseure bei gleichbleibendem Boni für 10 Jahre

Die Energiewende entscheidet sich nicht daran, wer Risiken trägt – sondern daran, wo investiert wird.

Deutschland braucht mehr erneuerbare Energie, mehr Flexibilität und mehr industrielle Integration – nicht weniger.